Soevereinstadion, Lommel (B)

Architektur

Das Soevereinstadion erinnert an an die „alten Zeiten“ in Deutschland, die zwar nur wenige bewusst miterlebt haben, nach denen sich aber alle zurücksehnen. Aber das haben ja schon die Römer gemacht. 😉 Das Stadion liegt etwas nördlich vom Zentrum Lommels, soweit man bei knapp 30.000 Einwohnern davon sprechen kann, direkt an der Straße in Richtung niederländischer Grenze. An dieser Straße findet sich die zweistöckige Gegentribüne, die sich auf der halben Länge des Spielfeldes erstreckt. Dort finden sich im Unterrang 10 überdachte Stehstufen und im Oberrang eine einigermaßen imposante und steile Tribüne mit 1.000 Sitzplätzen. Innerhalb der Tribüne befindet sich ein großer Raum, der als Kneipe/Verpflegungsstation für die Lommel-Fans dient, aber wie auch im Rest des Stadions ist auch da schon seit einiger nicht mehr Hand angelegt worden. An den Wänden hängen Röhren-TVs, die über das Spielgeschehen informieren, der (nicht anwesende) DJ muss auf seinem aus Paletten selbstgezimmerten Pult auf einen Röhrenmonitor blicken und das Sitzmobiliar könnte so auch im örtlichen Kaninchenzüchterverein stehen. Aber immerhin war gut geheizt. Ebenfalls innerhalb der Tribüne befindet sich der Schulungsraum der Sicherheitskräfte, der durch zweierlei beeindruckte: Durch die Schiefertafel an der Wand und durch den künstlichen Tannenbaum, der da mit einer Lichterkette beleuchtet Mitte Januar noch immer sein Dasein fristete.
Aufgrund mangelhafter Ausschilderung wählten wir erstmal den Weg neben der Tribüne vorbei auf die Stehplätze und fanden uns kurz darauf zu unserer Überraschung auf weichem Waldboden wieder. Also so richtig Wald. Mit Tannennadeln und allem Drum und Dran. Auch um auf die gegenüberliegende Seite des Stadions zu kommen, musste man hinter der linken Hintertortribüne durch das Waldstück laufen und wir waren froh, dass es nicht geregnet hat, denn nass verspricht dieser Weg so ziemliches Abenteuer. Wohlgemerkt, alles im eigentlichen Stadion, bei sowas würden Bauaufsicht und TÜV hierzulande reihenweise Herzinfarkte bekommen. Die Hintertortribüne ist wegen Baufälligkeit seit einiger Zeit gesperrt und wurde demzufolge einfach mit einer Armada von Werbetafeln übersät.
Auf der gegenüberliegenden Seite bietet sich ein ähnliches Bild. Die relativ moderne Haupttribüne überspannt wieder die Hälfte des Spielfeldes, links und rechts wird diese von unüberdachten Stehrängen flankiert. Auf der Haupttribüne finden sich 800 überdachte Sitzplätze, sowie die VIP-Logen und die Funktionseinrichtungen. Auf der Rückseite der Haupttribüne befindet sich der „VIP-Eingang“ / Haupteingang und der Fanshop, dessen schiere Größe uns schlicht überwältigte. Alles hätte auch gut in einen Bauwagen gepasst. Hinter der Haupttribüne mitten im Wald liegt noch ein einigermaßen maßstabsgetreuer Trainingsplatz und links von der Tribüne schließt sich eine zweigeteilte, nicht überdachte Stehtribüne an, die als einzige eingezäunt ist und für die Gästefans bereitgehalten wird. Dort ist auch die etwas primitiv wirkende Anzeigetafel montiert, die außer dem Spielstand und der Zeit nicht ganz viel anzeigen kann.
Insgesamt kann das Stadion 1.800 überdachten Sitzplätze, 400 Business-Seats, 200 Logenplätze und offiziell knapp 10.500 Stehplätze (davon ca. 2.000 überdacht) aufweisen.

Das Stadion ist richtig schön „oldschool“ und hat neben dem Kartoffelacker aka. Spielfeld zwei interessante Tribünen und jede Menge spannender Details zu bieten.

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Parkplätze/Anfahrt

Die Anfahrt kann man durchaus als „interessant“ bezeichnen. Von der nächsten Autobahn geht’s erstmal mindestens 20 km durch die Prärie, ehe man sein Auto kostenlos auf den ausreichend dimensionierten Schotterparkplatz in 50 Meter Entfernung abstellen darf.
Die Bahnstation liegt südlich etwas außerhalb von Lommel, von dort kann das Stadion aber in ca. 10 Minuten mit dem Bus erreicht werden. Sämtliche Infos hierzu sind auf http://www.belgianrail.be auch auf deutsch verfügbar.

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Verpflegung

Ja, gab es. In der schon erwähnten Kantine im Tribüneninneren gab es neben Softdrinks und Bier auch Kaffee und Kakao. Der Belgier, eher pragmatisch veranlagt, bekommt die Softdrinks direkt als kleine Plastikflasche überreicht. Die Mühe irgendetwas in Becher umzufüllen (am Ende gar noch mit Vereinslogo) machte sich hier niemand. Außerdem gab es Chips, Schokoriegel und verschiedene Menschen liefen mit verschiedenen Suppen in so Einweg-Plastikgeschirr durch die Gegend. Die Suppen erinnerten mich ein wenig an die aus diesen Klix-Automaten (Klickx), wo neben Kaffee auch Tütensuppen und heißer Zitronentee in diesen braunen Bechern herauskam. Das Alles passierte dummerweise mit einem Wertbonsystem, dessen Funktionsweise ich als Nicht-Muttersprachler nicht verstanden habe. Deshalb kann ich auch zu den Preisen nichts sagen.
Draußen im Wald stand ein einsamer Imbisswagen, der Bratwurst, Hamburger und Hot-Dogs vertickt hat, für den stolzen Preis von 4€! Da der Belgier an sich auch keine Küchenkultur kennt und alles in die Fritteuse schmeißt, was nicht bei 3 auf’m Baum ist, sah die Bratwurst (im Hot-Dog-Brötchen) auch eher aus wie eine Frikandel und war obendrein noch mit einem halben Kilo Sauerkraut belegt. Das alles und die Bepreisung ließen mich von einer Verköstigung gebührend Abstand nehmen.

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Eintrittspreise/Vorverkauf

Ein Stehplatz schlägt mit 10€ zu Buche, sitzen kann man für 15€ und einen Logenplatz gibt’s für 50€. Frauen und Kinder bis 12 Jahre haben freien Eintritt. Bei Topspielen wird ein Aufschlag in Höhe von 3€ erhoben und Frauen müssen nen 5er zahlen. Insgesamt sind 13€ für ein Dorf-Derby in der 2. belgischen Liga schon nicht unbedingt ein echter Schnapper.

Infos zu den Eintrittspreisen gibt es ausführlich auf der Vereinswebseite. Ein Vorverkauf wird dort nicht angeboten, ist aber auch nicht notwendig. Eine Anfrage auf der Facebookseite des Vereins, ob man ohne ClubCard und co. überhaupt an Tickets kommt, wurde binnen einiger Stunden beantwortet. Dafür gibt’s nen Bonuspunkt. Die sind wohl um jeden froh, der sich nen Kick bei denen angucken will.

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Stimmung/Kulisse

Die Fanszene von Lommel ist überschaubarer Natur, eine organisierte Szene mit Ultra-Machwerk und Trommeln gibt es nicht. Besonderen Spaß haben die Lommeler daran, ihre eigenen Spieler und insbesondere ihren eigenen Torwart zu bepöbeln. Spielabhängig kann es dann auch durchaus mal laut werden, wenn der Lommeler an sich seine Mannschaft mal anfeuert. Ein Hexenkessel sucht man aber aufgrund der niedrigen Zuschauerzahl vergebens. Es hatte aber alles einen ziemlich skurrilen Unterhaltungswert, wenn man so das Gesamtpaket betrachtet.

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Fazit

Jemand sagte unlängst, er würde lieber 150 km fahren und sich ein Spiel der Landesliga Weser/Ems anschauen, als 130 km für ein Spiel in der zweiten belgischen Liga. Dieser Jemand verpasst aber eine ganze Menge morbiden Charme, den das Stadion ausstrahlt und den es hierzulande wohl zuletzt Ende der 90er zu bewundern gab. Die Lust, sich noch weitere Stadien in Belgien anzuschauen, ist auf jeden Fall geweckt.

33/50 :gruen:

Besuchtes Spiel: 22. Spieltag der 2. Liga Belgien / Lommel United vs. AS Verbroedering Geel (0:0) am 17.01.2015
Zuschauer: 1.600 (offiziell 2.500. Hahahahaha!)
Kontaktdaten: http://www.lommelunited.be
Fotos vom Spiel

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