Stade Pierre-Mauroy, Lille (F)

Architektur

Im Vorort Villeneuve d’Ascq liegt das Stade Pierre-Mauroy in einem sagenumwobenen grauen Nichts zwischen der Universität, einer Schnellstraße samt Billighotels und einem großen Einkaufszentrum. Wie ein eben jenes sieht das Stadion von außen mit seiner Aluminiumbeplankung dann auch aus. Assoziationen zur Düsseldorfer Esprit Arena, bzw. den benachbarten Messehallen kamen ebenfalls auf. Einzig die Ostkurve, die an der Zubringerstraße liegt, hebt sich optisch etwas ab, denn hier wurde eine riesige farbig beleuchtete Fläche installiert, die zwar wenig mit einem Fußballstadion im romantisch-verklärten Sinne zu tun hat, aber dennoch einen ganz netten Eindruck macht. Das gesamte Stadion ist schon auf Straßenniveau gewaltig hoch, aber erst wenn man genauer durch die Gitter schaut, merkt man, dass der Unterrang mit seinen 30 Sitzreihen komplett unter Straßenniveau gebaut ist. Das Stadion verfügt übrigens über ein schließbares Dach. Anders als bei der Schalke-Arena verdient das Dach im geöffneten Zustand diese Bezeichnung auch.
Im Innenraum zeigt sich, dass, wer immer dieses Stadion geplant hat, er es unter der Prämisse getan hat, möglichst wenig zu einem entstehenden Hexenkessel beitragen zu wollen. So findet sich im Unterrang der Ostkurve zwar ein recht großer Bereich für die Supporters des LOSC, dieser wird sinnloserweise links und rechts jedoch durch überbreite Treppen und Blocks mit einer Breite von nur 5 Sitzen völlig auseinandergerissen, sodass ein zusammenhängender Support faktisch unmöglich ist. Hierzu trägt auch der Mittelrang bei, der rundum aus VIP-Logen besteht, was zwar eine nette optische Auflockerung darstellt, für supportbedingte Kommunikation zwischen Unter- und Oberrang komplett ungeeignet ist. Dazu kommt, dass der Gästeblock in der gegenüberliegenden Ecke jedoch im Oberrang direkt unter’m Dach eingeplant ist, sodass auch eine verhältnismäßig kleine Gästeschar einen eindrucksvollen Support auf die Beine stellen kann.

Alles in Allem ist das Stade Pierre-Mauroy natürlich eine moderne Hochglanzarena, die aber zumindest optisch nicht ganz so steif daherkommt wie andere neumodische Kommerzbunker z.B. in Mönchengladbach oder in Frankfurt.

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Parkplätze/Anfahrt

Es hat sich tatsächlich noch nicht bis zum hinterletzten Winkel von Lille herumgesprochen, dass das Stadion seit Juni 2013 Stade Pierre-Mauroy heißt und nicht mehr den Namen Grand Stade Lille Metropole trägt, unter dem es gut ein Jahr zuvor eröffnet wurde. Vielerorts sorgen Straßenschilder mit der entsprechend alten Beschilderung für etwas Verwirrung. Diese wird dadurch noch perfektioniert, dass sich in nicht mal 2 Kilometern Entfernung das Stade Lille Metropole befindet, in dem der LOSC bis zur Neueröffnung 2012 übergangsweise gespielt hat.
Hat man diese Irrungen und Wirrungen erstmal überwunden, findet man sich mit dem Auto dank einem breit gefächerten Autobahnnetz und einer Abfahrt direkt am Stadion, sogleich auf dem Zubringer und im Parkleitsystem wieder. Parken kostet da nix, wir haben es dennoch vorgezogen, uns ins nahegelegene Einkaufszentrum zu stellen. Die Abreise gestaltete sich völlig staufrei, was aber auch an der halbstündigen Blocksperre für den Gästeblock liegen könnte. Dennoch, in Mönchengladbach würde man auch 60 Minuten nach dem Spiel noch auf dem Parkplatz im Stau stehen.

Die Anfahrt ohne Auto gestaltet sich ähnlich unkompliziert. Vom Hauptbahnhof Gare Lille-Flandres einfach die Metro (fahrerlos! ) im 60-Sekunden-Takt besteigen und eine der 4 Stationen wählen, die alle im Umkreis von 500 bis 800 Metern vom Stadion entfernt liegen. Die Fahrt mit der Metro ist zwar nicht im Eintrittspreis enthalten (vielleicht wegen Euroleague), kostet aber nur 1,50 €.

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Verpflegung

Der Franzos‘ beeindruckt hier durch eine Punktlandung im Klischeetopf. Ok, das können wir Deutschen auch ganz gut (Bratwurst!), aber wer auch nur einen Moment geglaubt hat, es gibt im Stadion was anderes zu essen als Sandwiches und Baguettes, wurde bitter enttäuscht. Ich habe mir den Geschmackstest verkniffen, der Preis von 4,50€ für ein eingeschweißtes (immerhin mit Vereinswappen!) Tütenbrot ließ mich davor zurückweichen. Auf einer Speisekarte im Gästeblock blinkte immerhin kurzzeitig das Wort „Currywurst“ auf – was es damit auf sich hatte, konnte ich aber leider nicht herausfinden. Es lief auch niemand mit so etwas durch die Gegend. Außerdem gab’s noch Chips und Schokoriegel und auch hier gab es wieder alle möglichen Kombinationsmöglichkeiten (siehe Tickets), sodass ich langsam glaube, dass der LOSC ein Mal pro Saison an alle Vereinsmitglieder eine 32-seitige farbgedruckte Bedienungsanleitung für Ticket- und Verpflegungskauf versendet.

Zu trinken gab es die üblichen Softdrinks (3,50€/0,5l) und (in der EL alkoholfreies) Bier für 7€ pro halben Liter, davon allerdings 2€ Pfand. 5€ sind dennoch ein stolzer Preis.

Erfreulicherweise konnte man das alles bar bezahlen und man musste sich nicht noch so eine Guthabenkarte ans Bein binden.

Draußen vor dem Stadion (auf dem Gelände) gab es die Möglichkeit, bei Subway einzukehren, einen Döner zu essen, oder die allgegenwärtigen Fritten zu konsumieren. Preise: Keine Ahnung!

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Eintrittspreise/Vorverkauf

15€ für nen Vollzahler in der Europa-League!? In Spanien darf man locker mal das Dreifache einplanen. Die teuerste Karte kostet 40€. Bei Ligaspielen ist der Spaß etwas teurer, hier muss man mindestens 20€ investieren, was aber für einen Sitzplatz völlig im Rahmen ist. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zahlen grundsätzlich die Hälfte. Außerdem gibt es eine Reihe von Ticketpaketen, deren Auflistung hier wohl die Zeichengrenze sprengen würde. Es gibt rabattierte Frühbucherpakete genauso wie Ticketblocks für aufeinanderfolgende Spiele und Tickets zu Sonderpreisen in bestimmten Geschäften in Lille.

Auf www.stade-pierre-mauroy.comgibt es sämtliche relevanten Infos zu Eintrittspreisen, man kann Karten Block- und platzgenau auswählen. Den zehnten Punkt in der Wertung verhagelt der LOSC sich, weil die Infos nur auf Französisch vorliegen, während die Homepage des Vereins zusätzlich auch Englisch kann.

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Stimmung/Kulisse

„Ich bin ein Fußballfan, holt mich hier raaaaaus!“ Das ‚Stadionprogramm‘ entpuppte sich als Eventhölle sonder Gleichen, was sich unter Anderem darin bemerkbar machte, dass zwei grenzdebile Moderatorinnen im Innenraum und im Fanshop umherliefen und durch zwanghaft aufgesetztes Grinsen versuchten, happy-holiday-Stimmung zu verbreiten. Außerdem wird der Zielgruppe die Möglichkeit geboten, im Stadion geschossene Selfies sofort auf Instagram und Twitter hochzuladen, die dann auf der Anzeigetafel eingeblendet werden. Alter Schwede, das ist nichts für jemanden, der sich sonst Oberligaspiele in der Westfalenliga reinzieht.
Stimmung…ja, interessantes Thema. Die Fangruppierung der Virage Est bemühte sich in ihrem Block zwar redlich und es war eigentlich auch durchgehend irgendwelche Bewegung zu sehen, nur durch die eingangs schon erwähnten baulichen Gegebenheiten, war es faktisch unmöglich, so etwas wie Stimmung im spärlich besetzten Rund zu verbreiten. Ja ok, ein Wechselgesang mit der Gegentrübine war ganz ansehnlich, aber sonst: Nichts!

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Fazit

Aufgrund der Entfernung zu (West-) Deutschland und weil Lille eine sehr lohnenswerte, kleine und gemütliche Stadt ist, kann man da schon mal hinfahren, den Tag entspannt in der Innenstadt zubringen und sich abends vor dem Heimweg kurz ein Spiel des LOSC anschauen. Es ist aber definitiv kein Stadionerlebnis entstanden, was noch Jahre danach groß erzählt wird. Länderpunkt gemacht, abgehakt, fertig.

31/50 :gruen:

Besuchtes Spiel: UEFA Europa League 6. Spieltag / Lille OSC vs. VfL Wolfsburg (0:3) am 11.12.2014

Zuschauer: ca. 32.000 (in einer Zeit, in der jeder umgeknickte Grashalm von den Matchstatistiken erfasst wird, ist es tatsächlich nicht möglich, eine offizielle Zuschauerzahl zu erfahren.)

Kontakt: www.losc.fr

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