Stadion Niederrhein, Oberhausen

ArchitekturDas Stadion Niederrhein liegt vom (Nieder-) Rhein genau 8,94 Km entfernt, heißt aber trotzdem so. Naja, Mönchengladbach beherbergt ja auch die „Elf vom Niederrhein“ 😉 Dafür liegt das Stadion sicher einmalig auf einer Halbinsel zwischen Emscher und dem Rhein-Herne-Kanal. Daran angrenzend findet sich noch der Kaisergarten, der große Oberhausener Stadtpark, den man nach dem Stadionbesuch noch gemütlich erkunden kann.
Aber ob nun Rhein, Kanal, oder Emscher – das Stadion macht eine sympathische Figur. Zwar musste ein Flutlichtmast der Emscherkurve aus statischen Gründen weichen, was dem ganzen eine etwas surreale Erscheinung verleiht, und das Stadion verfügt auch über eine Tartanbahn, durch das man etwas weit vom Geschehen entfernt ist, dennoch gibt es so viele Details zu bestaunen, dass das Stadion vom Einheitsbrei anderer Multifunktionsstadien weit entfernt ist.
Die Grundmauern des Stadions bestehen seit 1926, was man an den Außenmauern der Kurven auch sieht. Die oben abgerundeten Türen und die halbrunden, mit Schmiedeeisen vergitterten Fensterchen wurden ebenso im Art-Deco-Stil gehalten wie der malerische Uhrenturm über dem alten Marathontor, das sich im Gegensatz zu den meisten anderen Stadien auf der Gegentribüne in Höhe des Mittelkreises befindet und diese in zwei Hälften teilt. Diese wurde in ihrer jetzigen Form 1998 errichtet/modernisiert und beherbergt 2.100 Sitz- und 1.000 Stehplätze, die alle überdacht sind. Weitere 2.000 Sitzplätze finden sich auf der Haupttribüne, in ihrer jetzigen Form 1982 errichtet, was man dem Ding auch durchaus ansieht. Zu erwähnen sind hier die Medienplätze, für deren Design wohl ausrangiertes 70er-Jahre-Grundschulmobiliar Pate gestanden haben muss. Außerdem finden sich einige wenige Logenplätze unter’m Dach der Tribüne.
Offiziell 16.279 Stehplätze halten die beiden nicht überdachten Kurven bereit, wobei die Emscherkurve traditionell das Revier der Gastgeber ist und die Gäste auf die Kanalkurve gebeten werden. Aus dem eigentlichen Gästeblock direkt neben der Haupttribüne hat man eine schon legendär schlechte Sicht, wenn mehr als 400 Mann diesen Block bevölkern.
Die Anzeigetafel (mittlerweile außer Funktion) wurde im Jahre 1996 installiert und tat vorher im Ulrich-Haberland-Stadion Dienst. Bayer Leverkusen hatte nach Eröffnung der BayArena keine Verwendung mehr dafür und verschenkte sie an die Stadt Oberhausen.:gruen::gruen::gruen::gruen::gruen::gruen::gruen::rot::rot::rot:

Parkplätze/Anfahrt

Parkplätze gibt es in Hülle und Fülle. Für den normalen Viertligaalltag kostenlos und völlig ausreichend direkt am Stadion. Ein paar Sonderparkplätze sind noch etwas weiter weg und wer kein Problem mit einem gemütlichen Spaziergang am Kanal hat, kann auch einen der 14.000 kostenlosen Parkplätze des nahegelegenen Einkaufszentrums CentrO nutzen. Da die verschiedenen Parkmöglichkeiten auch über verschiedene Zufahrten verfügen, muss man allenfalls zu absoluten Spitzenspielen eine kleine Verzögerung in Kauf nehmen. Zu Spitzenspielen kann es einem aber auch passieren, dass man 3€ Parkgebühren zahlen muss. War zumindest zu Zweitligazeiten so.
Direkt vom Hauptbahnhof fahren kostenlose Shuttle-Busse in ca. 7 Minuten zum Stadion. Man kann aber auch mit der Tram zum CentrO fahren und dann den schon oben erwähnten gemütlichen Kanalspaziergang einlegen.

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Verpflegung

Riesige Bratwurst, Currywurst, Nackensteak, Fritten, Frikadelle. Allerdings sind die Preise schon eher Zweitliganiveau. Getränke sind Stadionstandard, + wohl irgendwie heißen Ztironentee. Den hab aber zumindest ich nicht gesehen. Die Bratwurst kann man bedenkenlos empfehlen, zumal vom Grill und im Brötchen.

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Eintrittspreise/Vorverkauf

Hier merkt man, dass RWO vor kurzer Zeit noch in der zweiten Liga kickte. Professionelle Strukturen, wie ein Online-Ticketshop und verschiedene Kategorien sprechen für sich.

8,50€ für nen Steher, dazu Ermäßigungen für Rentner, Schüler, Studenten, Arbeitslose und noch extra Kinderkarten. Da ich in der Oberliga auf nem besseren Bolzplatz auch schon 8€ zahle, finde ich 8,50€ völlig ok. Sicher sind 19,50€ für ne Haupttribünenkarte ein strammes Pfund, aber es ist ja nicht so, dass die Karten knapp werden würden.

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Stimmung/Kulisse

Immerhin noch 2.100 Zuschauer verlaufen sich bei RWO. Man muss dazu sagen, dass auch zu Zweitligazeiten nur bei absoluten Topspielen fünfstellige Zuschauerzahlen begrüßt werden konnten. Generell neigt der Oberhausener aber dazu, bei absoluten Topspielen auch mal den Weg ins Stadion zu finden. So kommen bei Spielen gegen den „geliebten“ Nachbarn Rot-Weiß Essen in schöner Regelmäßigkeit über 10.000 Zuschauer.

Die aktive Szene in Oberhausen war noch nie sonderlich groß, daher war das mit der Stimmung immer schon etwas schwierig. Differenzen zwischen den Ultras der Handtuchmafia und der Vereinsführung in den vergangenen Jahren trugen nicht unbedingt zur Verbesserung der Atmosphäre im Stadion bei, zumal die 20 Mann weitgehend auf sich allein gestellt sind. Nur bei entsprechendem Spielstand kurz vor Schluss lässt sich die Tribüne mal zu rhythmischem Klatschen hinreißen. Allerdings kann es auch schon mal passieren, dass man den Spielern nach dem Spiel ans Leder will, wie nach dem peinlichen Aus aus dem Niederrheinpokal gegen Hönnepel-Niedermörmter im Mai 2012.

Also war es gestern dem Gegner vorbehalten, für Stimmung zu sorgen. Normalerweise fährt bei Schalke II auswärts überhaupt nix mit, umso erstaunter waren wir, als da gestern 15 Schwarzkapuzen auf der Tribüne hinter uns Platz nahmen, und 90 Minuten durchgehend Alarm gemacht haben. Mit zunehmender Spieldauer und Anstieg der Promille-Kurve wurde es dann aber schnell anstrengend, da das Niveau ungefähr auf FC-Kray-Level abrutschte. Unterhaltsam war’s dennoch.

Für zusätzliche eigenwillige Unterhaltung sorgte das Halbzeit-„Interview“ mit einem der Sponsoren, „Reifenservice Schulte-Kellinghaus“. Deren Geschäftsführer ergoss einen 10-minütigen Sermon zum Thema Reifenwechseln über die bemitleidenswerten Zuschauer und auch sein mitgebrachter Junior hatte irgendwann keinen Bock mehr auf die Ausführungen seines Altvorderen und streunte auf der Tartanbahn umher.

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Fazit

Oberhausen versucht(e lange), sich als „St. Pauli des Ruhrpotts ohne Politik“ zu vermarkten. Kann man sich mit identifizieren, oder eben nicht. Geblieben ist eine Menge „spezielles“ Liedgut, ob nun die Misfits, eXtraSchicht, oder offizielle Vereinshymne von Emscherkurve77. Gerade beide letzteren Bands haben zwar einen unstreitbaren Schrammelpunk-Faktor, aber das passt irgendwie auch wieder nach Oberhausen wie Arsch auf Eimer. Muss man nach Oberhausen? Ja! Denn das Stadion Niederrhein besteht nicht ausschließlich mit dem morbiden Charme anderer Ruhrgebietsstadien, sondern kann auch mit vielen liebevollen Details punkten, sodass man den Ground unbedingt mal gesehen haben muss.

32/50 :gruen:

Besuchtes Spiel: Regionalliga West 15. Spieltag / Rot-Weiß Oberhausen – FC Schalke 04 U23 (1:1) am 08.11.2014
Zuschauer: 2.174

Fotos vom Spiel: https://plus.google.com/photos/116982320…740684961358353

Kontakt: www.rwo-online.de

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