Stade Maurice Dufrasne (Stade de Sclessin), Liège (B)

Architektur

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Das Stade de Sclessin heißt eigentlich gar nicht so, sondern es hört offiziell auf den Namen Stade Maurice Dufrasne. Den umgangssprachlichen Namen verdankt es seiner Lage im gleichnamigen Stadtteil, der aus einem kleinen Wohnviertel mit zwei- bis dreistöckigen Backsteinbauten und einem großen Industriegebiet besteht. Die Bürgersteige bestehen aus losen Schottersteinen und festgetretenem Boden und überall an den Ecken sind kleine Kneipen, in denen 2 Stunden vor Anpfiff schon gut Betrieb war.
Wer vor dem Spiel keine Lust auf einen Kneipenbesuch hat, kann auch die 50 Meter zum Ufer der Maas laufen und sich dort die Zeit vertreiben.
Das Stadion selbst ist schon ein recht eigenartiges Gebilde. Zur EM 2000 modernisiert, finden sich heute drei recht moderne Tribünen, die über ausgebaute Ecken miteinander verbunden sind und auf der einen Längsseite eine etwas ältere, einzeln stehende Tribüne. Bemerkenswert an den Neubauten ist, dass die Ecken nicht komplett ausgebaut sind, sondern die ersten beiden der drei Ränge offen sind und nur der Oberrang mit den Oberrängen der Tribünen verbunden ist. Während die unteren beiden Ränge noch relativ sanft ansteigen, ist der Oberrang verteufelt steil und man fühlt sich etwas an den seligen Bökelberg erinnert. Die äußerste Ecke der Südtribüne ist den Gästefans vorbehalten, wobei der Unterrang als Pufferblock dient und allzu weite Bengalowürfe und Platzstürme wirksam unterbindet. Im Mittelrang der Südtribüne findet sich für gewöhnlich die Ultragruppierung ‚Publik Hysterik Kaos‘ ein, während ihre Kollegen ‚Ultras Inferno‘ gegenüber auf der Nordtribüne stehen.

update 24.08.2015: In den letzten 4 Jahren hat sich hier ein bisschen was getan. Unter Anderem wurden die Sitzschalen ausgetauscht und, die wichtigste Neuerung, in den Unter- und Mittelrängen der Hintertortribünen gibt es jetzt Stehplätze nach dem Safe Standing-Prinzip.

43/50

Parkplätze/Anfahrt

Man sollte definitiv möglichst schon 2 Stunden vor Spielbeginn zumindest mal in Stadionnähe gewesen sein und sein Auto parken. Da das Stadion inmitten eines Wohngebietes/Industriegebietes liegt, sind Parkplätze rar gesät und man sollte versuchen sich in eine der Seitenstraßen zu quetschen. Der einzige größere liegt ein gutes Stück (ca. 800 Meter) entfernt, ist aber wenigstens kostenlos.
Zum Stadion kommt man von der Autobahn A15 und dem Autobahnzubringer relativ schnell. Der Zubringer spuckt einen quasi genau vor der Südtribüne aus.

Mit der Bahn fährt man bis zum Bahnhof Liège-Guillemins und findet dort Shuttle-Busse, die direkt zum Stadion fahren. In 800 Meter Entfernung gibt es noch den Regionalbahnhof Gare de Sclessin.

12/20

Verpflegung/Einlass

Noch nie so ne Bierkarte gesehen. Nicht weniger als 15 verschiedene Biersorten konnte man dort käuflich erwerben. Dazu gab es die üblichen Softdrinks und Wasser.
Zu essen gab es die obligatorischen Fritten, 3 verschiedene Hamburger, Bratwurst und Frikadellen.
Aber wenn dieses blöde Essensmarkensystem nicht wäre… Man muss sich vorher so Chips kaufen, wie man sie bei der Kirmes am Autoscooter kriegt. Ein Chip = 2€, und dafür kann man da einkaufen gehen. Ne Tüte Fritten gab’s für 1 Chip, Softdrinks und kleines Bier auch. Ein großes Bier (0,5l) für 2 Chips und die meisten Fressalien auch.

15/20

Eintrittspreise/Vorverkauf

Besuch 2011: Als Deutscher ist es nicht so einfach, in Belgien an Karten zu kommen. Man benötigt zwingend eine Club Card, um eine der wenigen Tageskarten kaufen zu können.

Normalerweise ist das Stade de Sclessin mit Dauerkarten ganz gut gefüllt. Tageskarten gibt es nicht online, sondern nur „a few days earlier“ an den Vorverkaufstellen, bzw. an der Kasse direkt am Stadion. Ich habe das Problem gelöst, indem ich einfach den erstbesten Belgier angequatscht habe, ob er mir ne Karte kaufen kann. Konnte er und so kam ich für saftige 30€ in den Genuss einer Karte im Oberrang der Haupttribüne. Überhaupt würde das Preismodell auch in der deutschen Bundesliga gar nicht auffallen. Nur gibt es halt keine günstigen Stehplätze.

Die günstigste Karte kostet 20€ und die teuerste immerhin „nur“ 32€.

​Auf der Homepage findet man alle relevanten Infos und eine Preistabelle als Excel-Download (!), nur eben aus oben genannten Gründen keinen Online-Shop.

​Anmerkung: Alle Angaben beziehen sich auf die Saison 2011/2012. Bei der Recherche auf www.standard.be​ wird beschrieben, wie man an Tageskarten kommt und es ist nirgends von einer Club Card die Rede. Kann sein, dass die das wieder abgeschafft haben.

sdl


Besuch 2015: Es gibt keine ClubCard mehr. Man kann problemlos an den Kassen Tageskarten kaufen, allerdings nur wenn man das Glück hat, einen englischsprachigen Verkäufer zu finden. Franzosenzone halt. Mit Händen und Füßen klappt das dann aber, nur wollte er meinen Ausweis haben, um meinen Namen dann auf die Karte zu drucken. Logischerweise hat sich dann am Einlass niemand die Mühe gemacht, Ausweis und Name auf der Karte abzugleichen.

Auch hat Standard in den letztjährigen Playoffs die Preise gesenkt und diese für die neue Liga auch beibehalten. So kostet eine Karte für die Kurven 16-20€, und für die Haupttribünen 20-32€. Bei Topspielen wird aber etwas kräftiger hingelangt, dann zahlt man 18-43€. Kinder kommen ab 5€ rein, Jugendliche, Rentner und Studenten zahlen je nach Platz zwischen 10 und 20€. Sitzplätze übrigens, alles.

Aber nen Online-Ticketshop…den gibt’s immer noch nicht.

16/20

Stimmung/Kulisse

Der Gegner, der KSC Lokeren, kommt aus einer Kleinstadt zwischen Brügge und Brüssel und hat demzufolge eine eher geringere Fanbasis. Mehr als 350 Nasen machten sich nicht auf den Weg in das ca. 160 Km entfernte Lüttich. Dennoch machte der Gästeblock ab und zu gut Alarm.

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Getoppt wurde das Spektakel allerdings von den Heimfans und da lege ich mich jetzt mal fest. So einen Support wirst du in der Bundesliga nur noch schwer zu sehen bekommen. 90 Minuten laut, abwechslungsreich und kreativ. Dabei hilft es, dass sich die zwei Ultragruppierungen im Stadion gegenüber stehen, was einige Male für wirklich mächtige Wechselgesänge sorgte. Und die Torhymne, die ist auch richtig geil: https://www.youtube.com/watch?v=x4WFCJDC6UA

24.08.2015: 90 Minuten laut waren sie gestern nicht, die Standards. Aber wehe, wenn sie losgelegt und wenn das ganze Stadion dann mitmacht. Gibt’s in der Bundesliga nicht. Punkt. Auch die ca. 250 mitgereisten Fans aus Oostende machten ordentlich Stimmung und konnten mit organisiertem Support überzeugen.

Fazit

Ihr wollt Fankultur und authentische Fußballgeschichte? Dann ab nach Lüttich und unbedingt vor dem Spiel durch die Gassen am Stadion laufen und einfach nur beeindrucken lassen. Von einem Mikrokosmos der schon längst ausgestorben geglaubt ist, dem Fußballstadion direkt im Arbeiterviertel mit all seinen Facetten. Was scheren da genügend Parkplätze und das Essen im Stadion, wenn man viel besser einfach nur Fußballhistorie atmen kann?!

Besuchtes Spiel: Jupiler Pro League 2011/2012 2. Spieltag / Standard de Liège – KSC Lokeren (3:1) am 07.08.2011
Zuschauer: 26.058
Fotos vom Spiel: plus.google.com/photos/1169823…lbums/6080148702987009489

Spiel 2: Jupiler 5. Spieltag Pro League 2015/2016 / Standard de Liège – KV Oostende (1:2) am 23.08.2015
Zuschauer: 23.524 / 300

86/110 Punkte

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