Borussia-Park, Mönchengladbach

Eigentlich ist an Mönchengladbach gar nichts reizvoll. Eine Stadt so hässlich wie der Müllstrudel im Pazifik und das eigentlich Schönste wäre wohl die Autobahn nach Düsseldorf – wenn nicht ständig Stau wäre.

Nordpark nennen sie das Areal, andere würden es wohl Kartoffelacker nennen. Und das Stadion heißt Borussia-Park. Manchen Stadien wünscht man sehnlichst einen seelenlosen Sponsoren-Namen. So etwas wie Santander-Arena würde zumindest etwas Glanz in dieses grautriste Etwas bringen, das sich Park nennt. Ein Park ist eigentlich was mit Teich, wo man Enten füttern kann und keine Schlammwüste. Wobei man die Enten theoretisch mit dieser Bratwurst füttern könnte, dann aber wohl den Tierschutzbund am Hals hätte, weil man diese possierlichen Tierchen hätte vergiften können.

Architektur

Nun ja, mitten in diesem Park der Parks liegt das eigentliche Stadion, das mit den auskragenden Dachträgern von oben aussieht wie eine viel zu große Vogelspinne. Neben dem Stadion liegt der Sparkassen-Park (Park, natürlich), mit 9.500 Plätzen das größte Hockey-Stadion Europas und auf dem Weg vom Parkplatz zum Stadion kommt man noch am „Theater im Nordpark“ vorbei, wobei die Entzifferung dessen schon ein wenig gedauert hat. Von außen schaut das Ding nämlich aus wie ein Schlachthof.

Zurück zum Stadion, von innen ist’s nicht ganz so schlimm wie von außen, was vor allem an den dunkelgrünen Sitzschalen und der grünen Beleuchtung liegt. Abgesehen davon unterscheidet das Ding nicht viel von anderen modernen Stadien dieser Größenordnung (Düsseldorf, Lille), außer natürlich, dass das Dach a) nicht zu schließen ist und b) es etwas kurz geraten scheint. Im samstäglichen Dauerregen war der Schrim zumindest das wertvollste Utensil für die Leute im Unterrang der Gegentribüne. Und der Idiot, der diesen Beton da verbaut hat, gehört auch erhängt. Das Zeug ist so rutschig, als ob man da gerade nen Eiskunstlauf veranstalten wollte, ähnlich wie auf Schalke. Da muss man richtig aufpassen, dass man sich im Gästeblock nicht mault.

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Sonst hat’s halt zwei Ränge, der Unterrang der Haupttribüne wird von Logen und Business-Seats dominiert und der der Nordkurve von Stehplätzen, gut 14.000 insgesamt. Man könnte die Kapazität des Stadions von jetzt 54.000 Plätzen relativ einfach auf gut 60.000 bringen, dafür müsste man den Süd-Unterrang mit Stehplätzen ausstatten. Die Voraussetzungen dafür sind geschaffen.

Alles in allem ein wenig spektakuläres, modernes Allerweltsstadion, das sich allenfalls durch die Größe von seinen Kameraden in Dresden, Aachen, etc. abhebt.

28/50

Parkplätze/Anfahrt

Früher galt die Legende, dass man sich nach dem Spiel nichts mehr vornehmen sollte. Es gibt Leute, die kurz nach Eröffnung des Stadions schon mal 90 Minuten auf dem Parkplatz standen und auch ich verbrachte da schon mal 50 Minuten meines Lebens. Irgendwas müssen sie beim Abreisekonzept aber geändert haben, denn jetzt sind nicht mehr das Gelände und die Autobahn das Problem, sondern nur noch die Autobahn. Diese hat man zumindest vom P6 (Arsch der Welt!) in ca. 60 Sekunden erreicht, allerdings nur in Richtung Koblenz. Die Autobahn ist ja im normalen Leben schon unterdimensioniert, wenn dann aber 54.000 Leute gleichzeitig nach Hause wollen, bricht da alles zusammen. Bei der Anreise übrigens auch schon, weshalb das Spiel sogar 10 Minuten später angepfiffen wurde.

Man sollte bei der Anreise übrigens drei Dinge mitbringen: Geld, Geduld und Gummistiefel. 6€ lassen sich die Gladbacher das Spektakel kosten. Dafür kann man in Polen erste Liga gucken! Für die 6€ wird man dann 1.200 Meter vom Stadion entfernt in eine Schlammgrube gestellt, die entfernt an das Ding in Aue erinnert und wo man nach drei Metern schon nasse Füße hat. Aber immerhin sind die insgesamt knapp über 9.000 Stellplätze angemessen nummeriert, sodass man nicht ziellos zu seinem Auto stromert, so wie in Düsseldorf.

Auch die DB hat durchaus Humor, es gibt Samstags nämlich keine einzige Fernzugverbindung nach Mönchengladbach. Die Stadt hat ja nur knapp 260.000 Einwohner… So darf man ab Düsseldorf die S-Bahn, bzw. ab Köln den RE nutzen und wenn man es dann mal in die Stadt geschafft hat, stehen noch 20 Minuten Shuttle-Bus auf dem Programm, denn eine Straßenbahn hat Mönchengladbach auch nicht mehr. Nach Rheydt dauert die Busfahrt nach dem Spiel nur 15 Minuten, aber dann hat man ein anderes Problem: Man ist in Rheydt!

08/20

Verpflegung/Einlass

Recht unleckere Böklunder-Bratwürste für 3€ und von der Größe her wollte das vielleicht mal eins von drei Nürnbergern werden. Dann gibt’s noch Bockwurst für den gleichen Kurs, Currywurst mit oder ohne Fritten, Frikos und Putenschnitzel. Die Fritten gibt’s für 2,50 auch einzeln.

Die Getränkekarte bietet Pils und Alt, sowie Cola und Fanta feil. Alles für 4€ für nen halben Liter. Witzigerweise kostet das Bier drinnen beim Rucksackträger 50 Cent mehr. Weiterhin gibt’s noch Wasser für 3,50 und Kaffee. Das war’s dann auch schon. Wenn die Bedienung nicht gerade mit jemandem diskutiert, ob er seine Bratwurst tatsächlich ohne Brötchen wolle, geht’s sogar recht zügig.

Der mit Gepäck anreisende Gästefan kann am Einlass seine Tasche in einem Container abgeben. Was im Heimbereich auch geht und dort „Gepäck-Box“ heißt, hört im Gästeblock auf den charmanten Namen „Asservatenkammer“.

10/20

Eintrittspreise/Vorverkauf

Vier (!) verschiedene Preiskategorien gibt es je nach Gegner. So kostet der billigste Sitzplatz gegen Hannover 19,90€, gegen Bayern werden dann gleich mal 47,50€ aufgerufen. Der teuerste Sitzplatz kostet zwischen 44,50€ (Kat. IV) und 64,50€ (Kat. I). Stehen geht für 14,50€-17,00€. Immerhin kann man für diese selbstbewussten Eintrittspreise im gesamten VRR am ganzen Spieltag umsonst fahren und der erstreckt sich von Hamm bis nach Holland. Nach Köln kommste damit aber nicht, Verkehrsverbünde sind schon was Lustiges.

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Eine platzgenaue Online-Buchung in einem ziemlich hässlichen Portal ist möglich, zahlen kann man mit EC- und Kreditkarte, sowie mit Lastschrift, Überweisung und Barzahlung bei Abholung. Die Borussia hat auch einen Ticket-Zweitmarkt, in dem DK-Besitzer ihre Karten anbieten können, wenn sie nicht können. Das funktioniert aber nur bei Spielen, die im Vorfeld ausverkauft sind. Da will sich wohl jemand ein Geschäft nicht durch die Lappen gehen lassen…

10/20

Stimmung/Kulisse

Oh, die waren aber auch schon mal besser. Ein Wechselgesang mit der Süd, ansonsten dümpelte Gladbach ziemlich vor sich hin. Lauter als Mainz und sowas, aber kein Vergleich zu Spielen vor ein paar Jahren.

Besuchtes Spiel: 7. Spieltag der Bundesliga 2017/2018 – Borussia Mönchengladbach vs. Hannover 96 (2:1) am 30.09.2017

Zuschauer: 50.542/1.800

56/110 Punkte

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