Stadion am Schloss Strünkede, Herne

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Architektur

Neben dem Uhlenkrug in Essen ist das Stadion am Schloss Strünkede mit absoluter Sicherheit das schönste Stadion im Ruhrpott. Wobei sich die Schönheit des Stadions nicht auf dem ersten Blick erschließt und man sollte auch definitiv offen für morbide Faszination sein, um die ganze Wucht des Stadions auf sich wirken zu lassen. Es gibt keine Stelle im und am Stadion, wo nicht Putz und Farbe im Zeitraffer bröckeln. Das Dach der Haupttribüne – außen von Sturmschäden schwer gezeichnet und Leck geschlagen, innen von rostigen Trägern gestützt und auf fünf Pfeilern mit ehrlicher Patina ruhend. Die Presseplätze sind längst verwaist, die blassblauen Holzbänke nur noch spärlich besetzt, zeugen von großem Fußball, der am Schloss Strünkede einst gespielt wurde. In den 60er Jahren, als 35.000 Menschen fast Zeugen einer Sensation geworden wären, als der HSV in der Endrunde zur deutschen Meisterschaft aber doch knapp besser war, oder in den 70er Jahren, als Erhard Goldbach den Verein bis in die zweite Liga führte, mit seiner Tankstellenkette Goldin aber dummerweise „vergaß“, die Mineralölsteuer zu zahlen, was dann Ende der 70er Jahre zum Lizenzentzug der Westfalia führte.
Von all diesen Geschichten zeugt das Stadion, an dem über die Jahre aus Geldmangel nur notdürftig Hand angelegt wurde, noch heute. Die Haupttribüne mit den schon erwähnten Holzbänken und dem rostigen Dach stammt aus den 50er Jahren und würde 2.000 Menschen überdachten Platz bieten. Wo in modernen Stadien die Business-Seats wären, thront in Herne in der letzten Reihe die Imbissbude, die nur durch eine selbst gezimmerte Treppe einigermaßen sicher erreichbar ist.
Hinter der Tribüne, vorbei an morschen Toilettenhäuschen, erreicht man die mächtige Nordkurve, deren 30 Stufen von liebevoll blau-weiß lackierten Wellenbrechern regelmäßig unterbrochen werden. Die Gegengerade schließt sich nahtlos an und beherbergt neben den gleichen eindrucksvollen Stehtraversen in Höhe der Mittellinie ein luftig-wackeliges Kamerapodest, notdürftig mit Wellblech verkleidet, damit sich der Wind auch schön austoben kann.
Zur Südkurve hin flacht die Tribüne etwas ab, ehe sie in der Mitte der Südkurve durch das Marathontor unterbrochen wird, durch welches die Spieler ihre Kabinen erreichen können.
Offiziell ist das Stadion für 32.000 Zuschauer ausgelegt, aber das dürfte für heutige Verhältnisse eine ziemlich optimistische Schätzung darstellen. Da in absehbarer Zeit solche Zuschauermassen eher unrealistisch sind, ist die Neuvermessung des Stadions aber wohl eher nicht priorisiert.

47/50

Parkplätze/Anfahrt

Von der A42, Abfahrt Herne-Baukau sind’s genau 200 Meter bis zum Stadion. Parkplätze gibt’s aber nur entlang des Westrings und irgendwo in den Wohngebieten.
Wer kein Auto fährt, nimmt die U35 vom Bochumer Hbf. bis zur Endstation Schloss Strünkede. Von dort aus darf man durch den tollen Schlosspark 200 Meter zur Kasse laufen.

14/20

Verpflegung

Bratwurst, Currywurst, Fritten, Krakauer – alles für ne schmale Mark zu bekommen. Bier, Softdrinks, Wasser, Kaffee – ebenfalls günstigst zu haben. Und endlich gibt’s ein Wasser mal für nen Euro, anstatt da wie sonst üblich gleich den vollen Preis abzurufen. Allerdings wurden die Bierpilze konsequent nur mit einer Person besetzt, das kann in der Halbzeit schon mal etwas Überforderung auslösen.

16/20

Eintrittspreise/Vorverkauf

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6 Euro ermäßigt, 8 Euro Vollzahler mit freier Platzwahl. In Zeiten, in denen sowohl Westfalia als auch eventuelle Gastvereine ein Fanpotential mitbrachten, durften sich letztere in einem umzäunten Bereich in der Haupttribüne niederlassen.
Infos zu den Eintrittskarten gibt’s auf der Homepage. Ein VVK wird dort nicht angeboten, braucht aber auch kein Mensch.

16/20

Stimmung/Kulisse

Ja… Ne Trommel, ne Fahne und feinster 90er Eurotrash (‚Macarena‘, Cotton Eye Joe‘, Modern Talking…) – das war’s mit Stimmung. Selbst die legendären Zweckel Supporters waren ob des Spielverlaufs verdächtig ruhig.

 

Fazit

Wer hier noch nicht war, sollte sich schleunigst mal auf den Weg nach Herne machen. Das Stadion ist ein Denkmal des Ruhrpottfußballs und so wie die Westfalia quasi seit einem Jahrzehnt vor sich her darbt, könnte es durchaus sein, dass man nicht mehr allzu lange Zeit hat, dieses Kleinod mal zu besuchen.

93/110 Punkte

Besuchtes Spiel: Westfalia Herne – SV Zweckel (3:0) – 20. Spieltag OL Westfalen 2014/15 am 08.03.2015

Zuschauer: 365/20

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