Jahnkampfbahn Wald, Solingen

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Architektur

Nach dem tragischen Ende des Hermann-Löns-Stadions Anfang des Jahres, ist nun die Jahnkampfbahn im Solinger Stadtteil Wald das größte Stadion Solingens. Da der Fußball in Solingen eh ein trauriges Kapitel ist und nicht mehr als Kunstrasenplätze mit ein paar Stehstufen benötigt, haben sich die Footballer der Paladins in Wald eingenistet. Das Stadion wurde im Jahr 1928 erbaut, eher ruhrpöttisch als bergisch wurden Kassenhäuschen und Funktionsgebäude aus Backstein gestaltet. Der Backsteinstil wurde Ende der 20er Jahre zwar in ganz Deutschland gern genutzt, erlebte im Ruhrpott aber seine größte Blüte und wurde typisch für die Region.

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Im Inneren dominiert Naturstein, der großflächig zur Verkleidung der vielen Hänge genutzt wurde, die die Lage im Bergischen mit sich bringt. Auch die Tribünen wurden aus Naturstein gestaltet und mit Steinplatten verkleidet. Auf der überdachten Haupttribüne befinden sich ca. 700 Sitzplätze auf grün lackierten Holzbänken. An den Seiten der Haupttribüne und auf der Gegenseite befinden sich ca. 4.000 Stehplätze auf natürlich gestalteten Traversen. Die Kurven sind nicht ausgebaut.

38/50

Parkplätze/Anfahrt

Autofahren in Solingen ist ein ähnlich trauriges Kapitel wie der Fußball der Stadt. Auf Gelegenheitsbesucher wirkt die ganze Stadt zusammengewürfelt, ein Straßenkonzept ist nicht erkennbar. Solingen dürfte auch die größte Stadt Deutschlands ohne eine direkte Autobahn-Anbindung sein. Die A3 geht zwar direkt vorbei, eine Ausfahrt hat man aber vergessen. Die Ausfahrt Solingen liegt längst im Nachbarkaff und ist nur über eine 1-spurige Bundesstraße angebunden. Egal, wie man’s also dreht, man muss von der Autobahn locker 25 Minuten über einspurige Dorfstraßen einplanen, bis man am Stadion ist. Dort gleich die nächste Herausforderung: Es gibt Parkplätze, ca. 30 Stück. Davon sind 10 für Sponsoren reserviert, also ab in’s nahe gelegene Wohngebiet.

Mit dem Bus ist’s aber nicht viel besser. Der Hauptbahnhof ist immerhin ICE-Halt, aber wenn man von dort zum Stadion will, sind 20 Minuten Busfahrt fällig. Immerhin kann man in Solingen in einem Oberleitungs-Bus fahren, in Deutschland ein seltenes Vergnügen.

4/20

Verpflegung

Erwähnte ich schon, dass ich Wertmarken hasse? In Solingen gibt’s sogar zwei davon. Man kauft sich erst Wertmarken (die aussehen wie die Autoscooter-Chips auf der Kirmes) und wenn man sich dann für was zu essen anstellt, kauft man mit der Wertmarke ne andere Wertmarke. Die gibt man dann beim Burger-, oder Bratwurstbrater ab und nimmt seine Mahlzeit entgegen. Das Spektakel machen die, weil die sonst durcheinander kommen, wer was bestellt hat und es soll wohl im letzten Jahr einige Strategen gegeben haben, die ne Bratwurst bezahlt haben und dann gesagt haben, sie hätten nen Burger bestellt.

Günstig ist das auch nicht unbedingt, Bratwurst und (sehr gute) Krakauer für 3€, Burger für 6€. Dafür sind die Getränke erfreulich günstig, Bier und Softdrinks gibt’s für 2€ (0,3) und Wasser für 1€. Vegetarier können auf dem Hügel grasen, für die gibt’s nix.

11/20

Eintrittspreise/Vorverkauf/Einlass

Faire 7€ für Vollzahler, 3.50€ ermäßigt. Infos auf der Homepage gibt’s überhaupt nicht. Für 1€ Aufpreis gibt es das wohl schlechteste Stadionmagazin Westdeutschlands. Nicht ein geschriebenes Wort außerhalb des Editorials, das Ding besteht ausschließlich aus Roster-Tabellen, dem Spielplan und viel Werbung. Da hätt’s auch ein ausgedruckter DIN A4-Zettel getan.

Eintrittskarte Solingen Paladins   15/20

Stimmung/Kulisse

Etwas merkwürdig und eher fußballgeprägt. Auf der Haupttribüne haben sich ca. 20 junge Männer eingefunden, die relativ ausdauernd damit beschäftigt waren, einzelne Spieler, oder die ganze Mannschaft der Berliner Adler anzupöbeln, was den Stadionsprecher dazu veranlasste, die Jungs zur Räson zu rufen. Berlin hatte nen Typen in kompletter Football-Montur am Start (mit Schutz-Ausrüstung darunter) und im Fußball-Kutten-Style Schals am Gürtel. Der Typ war abwechselnd damit beschäftigt, eine mitgebrachte Holzratsche zu bedienen und an die Werbebande zu trommeln. Trotz vorverlegter Kickoff-Zeit (von 17:00 auf 15:00) machten sich nur relativ wenige Leute auf dem Weg ins Stadion. Vielen war das Deutschland-Spiel am Abend dann wohl doch wichtiger.

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Besuchtes Spiel: 8. Spieltag der GFL2 Nord am 23.06.2018 / Solingen Paladins – Berlin Adler (56:30)

Zuschauer: ca. 550 / 10

68/110

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