Olympisch Stadion, Amsterdam (NL)

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Architektur

Es gibt Stadien, die sind nicht stimmungsvoll, die sind nicht komfortabel und die sind nicht besonders gut ausgestattet. Aber man sollte trotzdem da gewesen sein, weil dieses Stadion an jeder Ecke Geschichte und Geschichten erzählen kann. Ein Olympiastadion aus grauer Vorzeit, schlicht und elegant, bevor 1936 die Nazis das monumentale Protzbauen mit Olympia vereinten. Es fügt sich nahtlos in das Stadtbild ein, denn es wurde im damals vorherrschenden „Amsterdamer Stil“ gebaut, eine Variation der Backstein-Baukunst, auf die ich im Stadionbericht aus Solingen schon eingegangen bin und in der in Amsterdam um die Jahrhundertwende eigentlich alles gebaut wurde.

Läuft man auf das Stadion zu, fällt sofort der mächtige Turm ins Auge, der außerhalb des eigentlichen Stadions steht und das Olympische Feuer beherbergte. 1928 war übrigens das erste Jahr, in dem diese Praxis durchgeführt wurde.

In der Gegengerade selbst befindet sich das Marathontor, durch das man direkt auf das Spielfeld gelangt. Im Inneren des Tores sind an der Wand Ahnentafeln angebracht, auf denen alle niederländischen Olympiasieger verewigt sind.

Die Eingänge zu den Kurven sind mit schmiedeeisernen Toren abgesperrt und durchschreitet man eines dieser Tore, muss man schon etwas aufpassen, sich nicht den Kopf anzustoßen, so niedrig ist das alles.

Steht man dann im Block, fällt zuerst auf, dass das Stadion irgendwie aussieht, wie eine riesengroße alte Badewanne, die an den Seiten ansteigt. Der niedrigste Rang in den Kurven liegt locker 5 Meter über dem Niveau der Tartanbahn, während die Geraden fast niveaugleich sind. Der Grund ist ein recht simpler: Früher war zwischen Rängen und dem Platz eine Radrennbahn verbaut und die haben halt diese Steilkurven… Heute befinden sich dort Glasfronten, durch die man aus den Katakomben auf’s Spielfeld schauen kann. Die Katakomben sind übrigens größtenteils an Büros vermietet, unter Anderem hat dort der Trikothersteller Under Armour seinen nationalen Firmensitz.

Auch im Stadioninneren setzt sich die beeindruckende Backstein-Architektur fort und das Stadion wird rückwärts von einer Mauer begrenzt. Überdacht sind nur die beiden Geraden und gerade diese Dächer sind eine Meisterleistung in der Kategorie „wie gestalte ich Funktionelles wunderschön“? Aus heutigen Gesichtspunkten ist die Konstruktion mit den Stützen im Zuschauerraum längst überholt. Aber es ist so wunderschön, diese filigranen Stahlträger, jede einzelne, freiliegende Schraube… Manchmal, wenn ich in solch altehrwürdigen Kisten stehe, verfluche ich diese neuen Betonwüsten, die jetzt überall hochglänzend und LED-bestrahlt aus dem Boden gestampft werden!

Aber auch das Olympiastadion war nicht immer frei von Bausünden, die zum Glück vollständig revidiert wurden. 10 Jahre nach den Spielen hatte Rotterdam „De Kuip“ gebaut und plötzlich hatte Amsterdam nicht mehr das größte Stadion im Land. Ein Affront, den die Amsterdamer beantworteten, indem sie auf das bestehende Stadion einen zweiten Rang draufpflanzten. Aus Beton! Nun betrug die Kapazität zwar 64.000, aber das Ding war plötzlich potthässlich und auch die in den 70ern flugs aufgestellten Flutlichtmasten konnten das Bild nicht positiv verändern. Ab den 60ern nutzte Ajax das Stadion häufiger, denn im Gegensatz zum heimischen „De Meer“ war es größer und das Flutlicht ermöglichte die Austragung von Europapokal-Spielen. Erst als 1996 die ArenA eröffnet wurde und Ajax als regelmäßiger Nutzer wegfiel, baute man den Oberrang wieder ab und stellte das Stadion wieder her. Auch neue Flutlichtmasten wurden eingebaut, die sich besser in das Gesamtbild fügen.

Baujahr: 1928

Kapazität: 22.288 Sitzplätze, davon 7.600 Plätze überdacht.

43/50

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Parkplätze/Anfahrt/Einlass

Autofahren in Amsterdam ist ein schwieriges Thema. Zwar ist man in nur 2 Minuten von der Autobahn am Stadion, aber man merkt deutlich, dass das Auto in der hiesigen Stadtplanung nur eine untergeordnete Rolle spielt. Die Parkgarage am Stadion war geschlossen, so musste man auf benachbarte Straßenränder ausweichen. Natürlich kostenpflichtig. 3,50€ die Stunde! Das sollte man zwingend bezahlen, sonst kann man sich schnell mal ne Parkkralle einhandeln. Übrigens: Die Parkautomaten akzeptieren keine Barzahlung und EC-Karten nur aus NL. Also packt ne Kreditkarte ein!

Die Straßenbahn hält direkt vor’m Stadion, braucht aber ca. 25 umsteigefreie Minuten zum Hauptbahnhof. Von dort ist man in 2 Stunden mit dem ICE im Ruhrpott.

13/20

 

Verpflegung

Den Niederländern sagt man ja nach, sie seien gewiefte Händler. Haben ja auch Jahrhunderte Erfahrung mit dem Seehandel. Davon war beim Spiel nichts zu spüren, denn Geld verdienen wollten sie wohl nicht wirklich. 2 Getränkestände für 4.500 Leute. 20-30 Minuten in der Schlange, um sich dann ein teures Getränk kaufen zu können. 2,50€ waren für 0,3l Softs oder Wasser fällig. Für das Bier sind 3€ (0,3) oder 5,50€ (0,5) zu berappen. Wer 0,5 kauft, zahlt also drauf – doch gewiefte Händler…

Auch der Essensstand wollte kein Geld verdienen, der öffnete nämlich erst pünktlich zum Anpfiff seine Pforten und in der Halbzeit war mir da zu viel los. Fritten, Frikandel, Fleischkrokette, Kaassoufflé für je 3€, oder Hot-Dogs für 4€.

Toiletten gab’s übrigens auch keine, eine Batterie Dixi-Klos musste genügen.

8/20

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Eintrittspreise/Vorverkauf

10€, freie Platzwahl. Leider nur e-Ticket. Aber für ein Testspiel ok. Auch hier wieder das Dilemma mit den EC-Karten. Also Kreditkarte…

14/20

 

Stimmung/Kulisse

Für ein Testspiel recht ordentlich. Die mit Ajax befreundeten Belgier brachten ca. 150 Mann mit, die sich aber wahllos im Stadion verteilten. Aus einem Ajax-Block gab’s ab und zu mal Anfeuerungsrufe, dazu wurden vor Anpfiff zwei Rauchtöpfe gezündet.

Besuchtes Spiel: Testspiel AFC Ajax vs. RSC Anderlecht (1:3) am 13.07.2018

Zuschauer: 7.000/150

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Restliche Fotos: flickr.com/photos/jaffel96/albums/72157699140631385

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