Stadion Essen

P10506211

Architektur

An Stelle des legendären, aber auch legendär baufälligen Georg-Melches-Stadions entstand bis 2013 das neue Stadion Essen. Warum das Stadion nicht nach einer Vereinslegende benannt wurde? Weil die RWE AG beim Bau kräftig mit finanziert hat somit die Namensrechte bekam, diese jedoch aus welchen Gründen auch immer nicht für sich selbst nutzen will. „Stadion Essen“ klingt wie ein Provisorium, da wünscht man sich fast nen Sponsorennamen.

Der Bau selber ist wohl ein beispielloses Stück Kommunalversagen einer „Pleitestadt“, die sich unbedingt ein neues Prestigeobjekt zulegen wollte. Die ursprüngliche Planung in Höhe von 31 Mio. € wurde bereits ein Jahr vor Fertigstellung gerissen und auf 42,5 Mio. € korrigiert. Dies rief im Nachgang auch die Staatsanwaltschaft auf den Plan, denn die Stadt Essen hat die Gelder aus dem Budget des Folkwang-Museums abgezwackt. Letztlich reichte auch der Betrag nicht mal ansatzweise, sodass bei Fertigstellung Gesamtkosten von 64 Mio. € aufgelaufen waren. Für ein 20.000er Stadion! Zum Vergleich, für den gleichen Betrag wurde in Hannover ein mehr als doppelt so großes, WM-Stadion gebaut.

Vor allem verwunderlich, weil’s irgendwie aussieht, als wenn man das auch innerhalb von drei Monaten mit Beton-Fertigteilen hochziehen könnte. Vier gleiche Tribünen, startend mit der Osttribüne, die aber Westtribüne heißt und komplett aus (7.000) Stehplätzen besteht, die Gegengerade besteht komplett aus weißen Sitzschalen, die eigentliche Westtribüne wartet mit 2.000 Gäste-Stehplätzen und rot-weißen Sitzplätzen auf und die Haupttribüne hat weiße Sitzplätze, rote Business-Sitze und eine Logenreihe. Rückseitig in der Haupttribüne befinden sich die Geschäftsstelle und der Fanshop.

Das Ganze wird jeweils mit einem „Plastikplatten-Dach“ überspannt, das irgendwie so aussieht, wie die Dinger, mit denen man seine Terrasse überdacht. Flutlichtmasten gibt’s nur noch einen, den vom alten Georg-Melches-Stadion, das moderne Flutlicht kommt von Strahlern unter’m Dach.

Für ne Anzeigetafel war wohl kein Geld mehr da, oder sie wurde schlicht vergessen.

Zukünftig könnte man die Ecken schließen und die Kapazität so auf 25.000 Plätze steigern. Auch ein Oberrang wurde statisch bereits berücksichtigt und könnte das Stadion auf 35.000 Plätze bringen.

Baujahr: 2013
Baukosten: 64 Mio. € (3099€ pro Platz)
Kapazität: 20.650 überdachte Plätze, davon 9.040 Stehplätze, 11.320 Sitzplätze und 290 Logenplätze.

28/50

Parkplätze/Anfahrt/Einlass

Essen ist die neuntgrößte Stadt Deutschlands (580.000 Einwohner), der Nahverkehr ist aber auf dem Stand eines Alpendorfes. Zwar sind es nur 700 Meter zur S-Bahn, aber die fährt nur nach Duisburg und Dortmund und ignoriert den Essener Hauptbahnhof. Zum Gästeblock sind es übrigens 1,4 km, weil man weitläufig um das ganze Areal rum laufen muss. Bleibt nur der (Schnell-)Bus, der aber fast 20 Minuten braucht.

Mit dem Auto ist es nicht viel besser. Auf der Webseite des Stadions werden Straßensperren rund um das Stadion ausgewiesen, die es dann doch nicht gibt. Das führte uns nach einigen Minuten Suche auf einen riesigen und kostenlosen – aber nicht gekennzeichneten – Schotterparkplatz. Offizielle Parktickets gibt’s auch, kosten aber 7€. Die Abreise nach dem Spiel dauert ein paar Minuten, aber dafür wäre man zügig auf der Autobahn.

10/20

Verpflegung

Recht gute Bratwurst (die gleiche wie in Münster) für 2,50€, Krakauer und Currywurst für 3€, Friko für 2,50€ und Schnitzel für 4€. Vegetarier gucken – zumindest im Gästeblock – in die Röhre. Knabberkram und sogar Kaugummis gab’s auch.

Einheimisches Bier für 4€/0,5l, Coke und Wasser für 3€/0,4l, dazu noch Fassbrause und großartiges Malzbier für 2,50€/0,33l

15/20

Eintrittspreise/Vorverkauf

9€ kostet der Stehplatz, 15-25€ der Sitzplatz. Das ist mal überschaubar. Am Stadion wird ein Aufschlag von 2€ (Steher), bzw. 3€ (Sitzplatz) fällig.

Online kann man platzgenau buchen und mit PayPal, Kreditkarte und Vorkasse zahlen.

18/20


Stimmung/Kulisse

Enttäuschend, der so genannte Mythos Hafenstraße war zu keinem Zeitpunkt zu spüren. Trotz Derby, trotz bestem Spielverlauf aus Rot-Weißer Sicht. Die Essener waren sehr damit beschäftigt, einfallslos bepinselte Tapeten in die Höhe zu recken, Support kam nur ab und zu mal im Gästeblock an. Die Wuppertaler dagegen trotz des frühen und deftigen Rückstands laut und ausdauernd. Im Gästeblock gab es eine Choreo mit „Plastikschals“ zu bestaunen, der Heimbereich hatte ziemlich viele Fahnen am Start.

Richtig beschissen ist die Sicht aus dem Gästeblock, weil dir ein riesiges schwarzes Netz vor’m Kopp hängt.

 

Besuchtes Spiel: 2. Spieltag der Regionalliga West 2018/2019 am 05.08.2018 – Rot-Weiss Essen vs. Wuppertaler SV (5:1)

Zuschauer: 11.077/2.500

71/110

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s