Böllenfalltor, Darmstadt

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Architektur

Für die Recherche über das Böllenfalltor konnte ich ruhigen Gewissens meine 2001er Ausgabe des großartigen „großen Buch der deutschen Fußballstadien“ rauskramen, denn seitdem steht dieses Kleinod deutschen Profifußballs unberührt am Stadtrand von Darmstadt herum. 
Signifikant ausgebaut wurde das in den 30er Jahren eher unbedeutende Stadion mit den Trümmern des Krieges, in den 50er Jahren passten 25.000 Menschen in das Böllenfalltor. Mitte der 70er Jahre, im Zuge der allgemeinen WM-Euphorie, wurde auch in Darmstadt investiert und die Lilien bekamen erstmals eine moderne Haupttribüne mit 3.500 Sitzplätzen. Außerdem wurde die Gegengerade auf beeindruckende 35 Stufen aufgestockt. Fast zeitgleich schafften die Lilien den erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga und das Stadion wurde bis 1981 kontinuierlich erweitert und mit einer Flutlichtanlage ausgestattet.
Die Haupttribüne aus dem Jahr 1975 existiert auch heute noch und bietet 3.500 Sitzplätze und 250 Business-Seats. An die Haupttribüne schließen sich zwei niedrige Stehtraversen (ca. 10 Reihen) in den Kurven an, die sich zur Gegengerade aber sukzessive erweitern. Auf der Gegengerade befindet sich der geilste Gästeblock der Liga, der gerade die oben stehenden Gäste mit einem vorzüglichen Blick auf’s Spielfeld verwöhnt. Teil dieses Gästeblocks sind auch 400 unüberdachte Sitzplätze, die auf der imposanten Gegengerade allerdings etwas trostlos-deplatziert wirken.
In der Südkurve befindet sich seit diesem Jahr eine Videotafel und gegenüber in der Nordkurve steht eine alte dreieckige Stadionuhr, die extra für den Bundesligaaufstieg wieder gangbar gemacht wurde. Hinter der Nordkurve steht übrigens noch das nicht zu verachtende Hochschulstadion, welches auch 10.000 Leuten Platz bietet.
Insgesamt ist das Böllenfalltor ein herrlicher Anachronismus und für die Leute, die den Bundesligafußball erst nach dem Jahr 2000 kennengelernt haben, eine Zeitreise in die Geschichte der Bundesliga, die davon zeugt, dass am Böllenfalltor viele Schlachten geschlagen wurden.
Kapazität: 17.000 / 3.750 überdachte Sitzplätze, 400 nicht überdachte Sitzplätze und 12.850 nicht überdachte Stehplätze

36/50

Parkplätze/Anfahrt

Anreise mit dem Auto? Vergesst es! Wer früh (2 ½ Stunden vor Anpfiff) da ist, kann sich in den umliegenden Wohngebieten Chancen ausrechnen. Sonst bleiben nur die Hand voll Bonzenparkplätze vor der Haupttribüne, oder für Gästefans die Parkplätze der nahegelegenen TU Darmstadt. Dafür zahlt man allerdings nen Fünfer.
Mit der Bahn geht das schon entspannter. Heimfans nehmen vom Hauptbahnhof die Straßenbahn und Auswärtsfans können auch problemlos mit der S-Bahn zur Haltestelle der TU fahren. Von dort sind es ca. 10 Minuten Fußweg zum Gästeblock.
Wer jetzt den Fehler macht und als Gästefan erstmal zur Haupttribüne läuft, steht vor einem Problem. Anders als in anderen Stadien kann man nicht direkt draußen rumlaufen, sondern muss einmal außen rum, findet sich bei vermeintlich kürzesten Wegen vor verschlossenen Zäunen wieder und staunt nicht schlecht, als man sich kurz darauf in einem astreinen Waldstück wiederfindet. Distanz laut Google Maps: 1,8 km!

6/20

Verpflegung

Für einen Gästeblock in der Bundesliga respektable Auswahl. Bratwurst, Rindswurst, Paprikawurst (je 3€) und Fritten (2,50€). Flüssiges gab’s auch – Bier, Äppelwoi, Softdrinks (4€/0,5l) und Wasser (3,50€/0,5l). ABER: Wie schon in Kassel scheint der durchschnittliche Hesse nicht so an Getränkeumsatz interessiert zu sein. Jedenfalls gab’s nur 3 Bierpilze und eine Fressbude für 1.700 Leute und Zeit hatten die da…unglaublich viel Zeit. Wie ne Häkelgruppe haben die ausgeschenkt. Und teuer ist’s ja außerdem noch!

12/20

Eintrittspreise/Vorverkauf

Stehen kostet 15€ (Kurven, Gäste) oder 18€ (Gegengerade). Sitzen können nur Gästefans, für 24€ unüberdacht. Alle Haupttribünenplätze sind von Dauerkarten belegt und nicht im freien Verkauf erhältlich.
Einen Online-Shop gibt’s angeblich, allerdings ist die Seite tot.

10/20

Stimmung/Kulisse

Man schaut doch erst einmal überrascht, wenn in Darmstadt losgelegt wird. Auf der Südseite der Haupttribüne hat sich der Supporters Block rund um die Ultragruppierung ‚Usual Suspects‘ niedergelassen und ordentlich Stimmung verbreitet. Überraschender war da aber der Nordbereich der Haupttribüne, der von einer Menge Alt-Fans bevölkert wurden, die vor allem vor dem Spiel durch lautstarke Gesänge und Pöbeleien aufgefallen sind.
Ganz besonders würdigen möchte ich die Vereinshymne, die so auch in einer 1985er Sendung der ZDF-Hitparade von Dieter-Thomas Heck präsentiert werden könnte: youtube.com/watch?v=U-F0F0354tw

Man wird es in dieser Saison noch desöfteren hören, dass das Böllenfalltor ja so „anders“ ist und es ist fast zu befürchten, dass um das Ding so ein Kult-Bohei entsteht, wie um die alte Büchse vom Heiligengeistfeld. Dennoch ist es für alle Stadionliebhaber ein absolutes Pflichtprogramm, vor allem wo sie so ganz nebenbei eben den besten Gästeblock der Liga beheimaten.

Besuchtes Spiel: 1. Spieltag Bundesliga 2015/2016 – SV Darmstadt 98 vs. Hannover 96 (2:2) am 15.08.2015

Zuschauer: 17.000/1.700 (ausverkauft)

64/110

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