Stadion Hohenhorst, Recklinghausen

Kalender-8

Architektur

Wie auch das Münchener Olympiastadion, ist das Stadion Hohenhorst ein so genanntes „Erdstadion“, welches nicht hochgebaut wurde, sondern quasi in die Erde gegraben wurde. Daher ahnt man auch erstmal nicht, welche Ausmaße das Ding hat, wenn man an der Kasse Marke 70er-Jahre-Freibad seine 70er-Jahre-Freibad-Abrisskarte gekauft hat und gemütlich zur Rückseite der Haupttribüne schlendert, die erstmal so aussieht wie der Eingang zu einer beliebigen Schulsporthalle. Betritt man allerdings den oberen Umlauf der Tribüne, blickt man, ohne nervige Stützpfeiler im Sichtfeld zu haben, in ein durchaus imposantes Rund, dessen Rasenwall auf der Gegentribüne in Sachen Größe und Steilheit sogar dem legendären Bökelberg ein Raunen abverlangen würde. Oben auf dem Wall stehend, thront man sicher gut 15 Meter über dem Geschehen. Hinter den Toren fällt der Wall sanft ab und schließt in der riesigen, 140 Meter langen Haupttribüne ab. Nicht so ganz in dieses Ensemble wollen die 4 Betonstufen passen, die sich unten an der Bande rings um das Stadion ziehen und optimistisch gerechnet 5.000 Menschen Platz bieten sollen.
Die Haupttribüne wurde im allgemeinen Größenwahn der 70er Jahre freitragend und mit einem bildschönen Holzdach errichtet und beherbergt insgesamt 3.400 ehemals gelbe Sitzschalen. Das Dach wurde zwischenzeitlich bei Renovierungsarbeiten oberhalb mit Blech beplankt, die ursprüngliche Holzkonstruktion ist jedoch noch vollständig vorhanden und kann von der Tribüne aus bewundert werden. Im oberen Umlauf befinden sich neben ein paar Funktionsräumen auch die Sprecherkabine und ein (ehemaliges) Kamerapodest, das stilecht mit einem dunkelbraunen PVC-Vorhang abgetrennt wurde. Dieser gottverdammte Vorhang hängt da mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit seit der Eröffnung der Tribüne 1977! Ferner gibt es noch Toiletten und den Kiosk, der neben den üblichen Getränken auch Imbissgerichte, Eis, Schokoriegel und ne Bunte Tüte im Angebot hatte. Hat auch so’n bisschen Freibad-Charakter das Ding, vor allem mit dem überhaupt nicht passen wollenden LED „Open“-Schild, welche man normalerweise eher an drittklassigen Dönerbuden, oder beliebigen Fernstraßenimbissen findet.

Für Recklinghausen, das nach dem Krieg niemals einen Erst- oder Zweitligisten beherbergt hat, war das Stadion immer zu groß. Noch dazu kommt das Problem, dass es für Recklinghausen am Arsch der Welt mitten im Nichts liegt. Das Stadion war damals als eine Art Sportpark konzipiert, der die verschiedenen Stadtteile von Recklinghausen miteinander verbinden sollte. Der Rest des Sportparks wurde aus Kostengründen nie realisiert und so wurden die Recklinghäuser nie so wirklich warm mit ihrem Stadion, welches noch dazu nie von einem wirklich ambitionierten Verein bespielt wurde.

Heute fristet das Stadion sein Dasein im Kreisligaalltag beim Verein FC 96 Recklinghausen und wird normalerweise von ca. 50 Zuschauern bevölkert. An der exponierten Lage mitten im Nichts ist über die Jahre ein Gewerbegebiet gewachsen, welches zumindest dafür sorgt, dass an Sonntagen genügend Parkplätze vorhanden sind.

Kapazität: 10.000 / 3.400 überdachte Sitzplätze und 5.500 nicht überdachte Stehplätze – Rest auf dem Rasenwall

30/50

Parkplätze/Anfahrt

Vom Hauptbahnhof Recklinghausen kann man mit dem Bus in ca. 15 Minuten zum Stadion fahren.
Mit dem Auto ist man in 5 Minuten entweder an der A43 oder an der A2, noch dazu gibt es kostenlose Parkplätze in ausreichender Menge.

14/20

Verpflegung

In der „Strandbar“ unter der Haupttribüne gibt’s Fritten für nen Euro (!), Currywurst, Bratwurst und Frikas. Draußen wurden ein paar Extra Grills mit Bratwurst und Frika aufgebaut. Außerdem gibt’s Bier, Softdrinks und in der Cafeteria, bzw. der Strandbar auch Kaffee und Kuchen.
Die Getränke gab’s ebenfalls für ne schmale Mark. Für das 0,3er Bier waren 2€ fällig, der gleich große Softdrink kostete 1,50€.

20/20

Eintrittspreise/Vorverkauf

5€ kostete das Vergnügen zum Relegationsspiel, bzw. für Rentner 2€ und für Frauen und Kinder/Jugendliche 1€. Die Eintrittspreise in der Kreisliga düften noch geringer ausfallen, wenn überhaupt mal ne Kasse geöffnet wird.

17/20

Stimmung/Kulisse

Trotz dass Wickede ca.600 Leute dabei hatte und einen extra „Gästeblock“ mit schwarzen und weißen Luftballons abgrenzte, vermochten diese 600 es nie nachhaltig Stimmung zu machen. Wenn mal etwas skandiert wurde, dann wurde deutlich, dass da nur die Mädchenmannschaften, sowie U13 und tiefer zum Stimmung machen animiert wurden.
Schermbeck war mit ca. 300 Mann vor Ort, diese waren allerdings eher gesetzteren Alters und hatten außer einer Fanfare nichts Erwähnenswertes dabei. Immerhin konnte die Mannschaft bei der Siegesfeier mit einer Humba auf der Hochsprungmatratze und einem Bengalo punkten, der schließlich in der Weitsprunganlage versenkt wurde.
Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass beim FC96 normalerweise auch tote Hose ist. Kreisliga halt.

Besuchtes Spiel: Relegationsspiel Westfalenliga SV Schermbeck vs. Westfalia Wickede (3:0) am 21.06.15

Zuschauer: 1.277

80/110

Ein Gedanke zu “Stadion Hohenhorst, Recklinghausen

  1. Super Beitrag! Hast mir richtig den Mund wässrig gemacht. Danke für die vielen Hintergrundinfos! Werde das evtl. bei meinen eigenen Beiträgen auch versuchen zu übernehmen.

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